Dezember 2019 – und schon hatte sie uns wieder, die schöne Vorweihnachtszeit. Vier Wochen, in denen wir zur Ruhe kommen wollen, es uns bei Kerzenschein gemütlich machen, süße Köstlichkeiten backen, uns an heißen Getränken erwärmen und Freude in der Gemeinsamkeit erleben.

In diesem Sinne wahrten wir unsere alljährliche Tradition und luden am 13.12.2019 zum angenehmen Beisammensein beim Stabil’er Weihnachtsbasar in unsere Projekträumlichkeiten ein.

 

 

Erstmals unter der Flagge der Johanniter Akademie Mitteldeutschland starteten wir im Vorfeld auch in diesem Jahr wieder eine große Backaktion. So versuchten wir uns diesmal nicht nur an Plätzchen im typischen Weihnachtsdesign, sondern auch im Stil des Johanniter-Ordens und des Projekt-Logos. Neben unseren allseits beliebten Leckereien, wie Grünkohl, Glühwein und Lebkuchen-Kuchen, war Popcorn ein neues Genuss-Highlight. Sehr zur Freude unserer Jugendlichen, konnten sie das Popcorn in einer firmeneigenen Maschine aus Puffmaiskörnern selber frisch zubereiten. 

 

 

Ein regelmäßiger Besucher des Projektes aus dem Regenbogenhaus rundete mit seiner Gitarren- und Gesangseinlage das Zusammensein bei Feuerschalenromantik im Innenhof ab.

 

Sportliche Modelle, komfortable bis luxuriöse Ausstattung, leistungsstarke Motoren, Modernität und Preisintensität – die Marke BMW gehört zweifellos zu den Premiumherstellern der Automobilindustrie. Und zählt zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland…

Von diesen Fakten gelockt, wollten wir uns im BMW-Werk Leipzig einen eigenen Eindruck machen und nahmen am 12.11.2019 an einer zweieinhalbstündigen Führung teil.

Als eine der modernsten Automobilfabriken produziert BMW hier seit März 2005 mehrere Hundert Kraftfahrzeuge pro Tag, wobei jedes von der Bestellung her ein Unikat ist. Die Herstellung dieser individuellen Einzelstücke wird durch den Einsatz von insgesamt mehr als 800 Robotern möglich, deren Abläufe in jedem Produktionsabschnitt perfekt aufeinander abgestimmt sind.

So erhielten wir Einblicke in die Präzisionsarbeit der klassischen Fahrzeugproduktion der Modelle 1er und i3 in den Bereichen Karosseriebau, Lackiererei und Montage. Faszinierend dabei ist, dass wirklich jedes Fahrzeug auf dem Band in Lackierung und Fahrzeugausstattung nach den weltweit individuellen Kundenwünschen und nicht nach Serienbandproduktion gefertigt wird. Eine logistische Meisterleistung…

Und „so ganz nebenbei“ wandelten wir bei der Betriebsbesichtigung durch das von der bereits verstorbenen Architektin Zaha Hadid entworfene und preisgekrönte Zentralgebäude des Werkes.

Ein architektonisch gewürdigtes optisches Highlight gepaart mit erstaunlichen Eindrücken technischer und logistischer Spitzenentwicklung in Leipzigs Norden – es war ein eindrucksvoller Tag im BMW-Werk für uns!

 

 

Mit dem ersten Schultag beginnt für jeden von uns im Kindesalter ein prägender Lebensabschnitt. Für die einen gestaltet sich der Schulbesuch spannend, positiv und voller neuer Möglichkeiten, für die anderen ist er lästige Pflicht, anstrengend, nervig und von Misserfolgen geprägt. Aber Hand aufs Herz, wie würden wir unseren Alltag bestreiten bzw. welchen Stand hätten wir heute, wenn es das Bildungssystem nicht gäbe? Viele Debatten drehen sich um das starre Schulsystem und wie es den heutigen Bedingungen am besten angepasst werden sollte.

Da der Großteil unserer Projektteilnehmer die Schulzeit eher als einen schwierigen Lebensabschnitt kennengelernt hat, haben wir uns am 30.10.2019 im Kulturhistorischen Museum auf einen spannenden Perspektivwechsel eingelassen.

In den Räumlichkeiten der Dauerausstellung „Schulgeschichte“ werden 500 Jahre Schulbildung in Magdeburg präsentiert. Der umfangreiche Bestand an historischem Schulmobiliar sowie an Lehr- und Lernmittelsammlungen (unter anderem aus der DDR-Zeit) ermöglicht den Besuchern, sich einzufühlen und in die Vergangenheit zurückzuversetzen.

 

 

 

Bei unserer Führung erhielten wir durch die informativen Schautafeln zur älteren Schulgeschichte und den Erklärungen zu ausgewählten Exponaten aus dem 19. bis frühen 20. Jahrhundert erste anschauliche Eindrücke. Richtig drin im Geschehen waren wir dann bei einer Schulstunde im historischen Klassenzimmer. Enge und unbequeme Holzbänke, das zeitlich abgestimmte Hervorholen der Schiefertafeln in vier Schritten, absolute Ordnung und Sauberkeit, kein Schwatzen mit dem Tischnachbarn, grundsätzlicher Gehorsam dem Lehrer gegenüber sowie Stockschläge bei Ungehorsam – die strengen Sitz- und Verhaltensregeln waren im Vergleich zur heuteigen Zeit doch sehr gewöhnungsbedürftig.

 

Abgerundet wurde die historische Schulstunde mit Schreibübungen in der ab 1911 gelehrten Sütterlinschrift. Den eigenen Namen aus fremd aussehenden Buchstaben mit Federkiel und Tinte aus dem Fass zu schreiben, war eine ganz schöne Herausforderung. Aber Spaß hat sie gemacht…

 

 

Dieser Museumsbesuch ermöglichte uns einen gelungenen Perspektivwechsel, der die Errungenschaft der Schulpflicht positiv hervorhebt!

 

Seit seiner Eröffnung zur Bundesgartenschau im April 1999 ist er eine feste Natur- und Kulturgröße in Magdeburg – der Elbauenpark. Vor den Toren des Herrenkrugs im östlichen Stadtgebiet und unweit unserer Projekträumlichkeiten auf dem Werder ist dieser Erholungspark zu jeder Zeit einen Besuch wert.

Neben der Seebühne ist der sechzig Meter hohe Jahrtausendturm ein Wahrzeichen dieses Areals. Seinen Namen hat der Turm zwei Gründen zu verdanken: zum einen stand zum Zeitpunkt seiner Eröffnung das kommende Jahrtausend in den Startlöchern und zum anderen beherbergt er über mehrere tausend Jahre Wissenschafts- und Technikgeschichte.

Mathe, Physik, Chemie und noch vieles mehr – im Jahrtausendturm werden Natur, Technik und Wissenschaft von der Frühgeschichte bis hinein in die heutige Zeit erleb- und greifbar. Hier werden zahlreiche Erfindungen präsentiert, die die Menschheitsgeschichte von Grund auf veränderten und fortan beeinfluss(t)en.

 

   

 

Am 15.10.2019 ließen wir uns bei einer Führung durch die verschiedenen Turmebenen von der Begeisterung des Personals anstecken. Bereits die Eingangshalle beeindruckt unter anderem mit dem Foucaultschen Pendel, welches auf verblüffende Weise beweist, dass die Erde sich um ihre Achse dreht. 

 

   

 

Da experimentieren im Jahrtausendturm ausdrücklich erlaubt ist, versuchten wir uns beispielsweise am Schreiben in Spiegelschrift sowie bei der Geruchserkundung von Düften. Im sogenannten „magischen Raum“ entdeckten wir die interessante Täuschung der Größenkonstanz. Aufgrund einer speziellen Raumkonstruktion erscheinen zwei gleichgroße Personen oder Gegenstände optisch so, als wären sie unterschiedlich groß.

 

   

 

Ebenso beeindruckend und wunderschön anzusehen war der Panoramablick über den Elbauenpark vom Außenbereich des Jahrtausendturms. Bei leichtem Dunst am Morgen und schönstem Sonnenschein am Mittag gab es tolle Herbstmotive aus dieser erhöhten Perspektive. Abgerundet wurde unser Besuch im Elbauenpark durch die Fahrt mit der Panoramabahn und einem kleinen Spaziergang.

 

Ein Exkursionsvorschlag unserer Jugendlichen im Rahmen des Teilnehmerbeirats wurde mit allen Werkstattbereichen am 10.09.2019 umgesetzt: wir besuchten die Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg.

Im Vorfeld wurde dieses ernsthafte Geschichtsthema im Unterricht behandelt, um alle teilnehmenden Jugendlichen auf die Inhalte und möglichen emotionalen Belastungen dieser Exkursion vorzubereiten.

 

 

 

Im Duden wird die Herkunft des Wortes Euthanasie wie folgt erklärt:

„griechisch euthanasía = leichter Tod, zu: eũ = gut, wohl und thánatos = Tod“.

Ein Wort, das in seiner ursprünglichen Bedeutung einer würdigen Sterbehilfe entspricht, durch die Zeit des Nationalsozialismus jedoch stark negativ behaftet ist. Im Sinne der Tötung von schwer(st) und unheilbar kranken Menschen wurde der Begriff Euthanasie erstmals 1895 diskutiert. Die Nationalsozialisten griffen die Fragestellung, ob es unwertes Leben gäbe, schließlich Jahrzehnte später wieder auf und bezogen sie in ihre Propaganda ein.

Vergast, vergiftet, verhungert – während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden auf staatlichen Befehl im gesamten deutschen Reich von 1933 bis 1945 etwa 250 000 bis 300 000 körperlich, geistig und psychisch kranke Menschen getötet. Diesen Euthanasie-Verbrechen fielen Menschen jeden Alters, darunter auch Kinder, zum Opfer.

Durchgeführt wurden diese Verbrechen – bestürzenderweise bereitwillig und nicht gezwungen – von Ärzten und Pflegepersonal. Zu Mittätern machten sich zudem Mitarbeiter der Verwaltungsbereiche sowie Anwälte. Die offizielle Bezeichnung „Aktion T4“ hat ihren Namensursprung in der Tiergartenstraße 4 in Berlin, dem Standort der Zentrale für die Planung und Koordination der Euthanasie-Morde.

 

Heute beherbergt das Gelände der einstigen Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg das Fachklinikum für Psychiatrie sowie seit 1989 die Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“. Der Standort Bernburg als eine von sechs „Euthanasie“-Gasmordanstalten nahm zudem eine Sonderrolle ein. „Während man in der „Anhaltischen Nervenklinik“ die „Heilbaren“ mit modernsten Mitteln therapierte, wurden in der „Heil- und Pflegeanstalt“ die „Unheilbaren“ getötet.“ (Quelle: Flyer Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg, Kurzführer Ausstellungsbereich)

Die erfassten Zahlen berichten, dass innerhalb des zehnmonatigen Zeitraums von November 1940 bis August 1941 allein in Bernburg fast 9400 geistig behinderte, körperlich und psychisch erkrankte sowie pflegebedürftige Menschen einen gewaltsamen Tod durch Vergasung starben. Hierher „verlegt“ aus Fürsorgeeinrichtungen und Psychiatrien eines fest vorgeschriebenen Einzugsgebiets wurden sie noch am Ankunftstag ermordet und ihre Angehörigen mit gefälschten Dokumenten bzw. Benachrichtigungen über Todesursache, -datum und/oder -ort getäuscht.

Zwischen Sommer 1941 und Frühjahr 1943 änderte sich schließlich mit der „Sonderbehandlung 14f13“ die zu ermordende Zielgruppe. In dieser Zeitspanne starben nochmals ca. 5000 Menschen in Bernburg: Häftlinge aus sechs Konzentrationslagern, darunter Buchenwald und Sachsenhausen.

Noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die „Euthanasie“-Anstalt Bernburg im Spätsommer 1943 geschlossen.

 

   

 

Pädagogisch betreut und durch die Räumlichkeiten der Gedenkstätte geführt wurden wir von Frau Gebauer. In Kleingruppenarbeit näherten wir uns anhand interessanter biografischer Lehrmaterialien der Thematik von einer ganz anderen Seite an. Gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen wurde uns bewusst, dass das Schicksal der „Euthanasie“-Ermordung jeden treffen konnte. Die Entwicklung einer psychischen Erkrankung aufgrund eines Schicksalsschlages oder aus anderen Gründen reichte bereits aus, um im Laufe einer stationären Behandlung als unwertes Leben bzw. sogenannte „Ballastexistenz“ abgestempelt sowie zwangssterilisiert und/oder schließlich ermordet zu werden.

Im Rahmen der Ausstellung besichtigten wir im Kellergeschoss die erhaltenen und aufbereiteten Räumlichkeiten der Vernichtungsanlage, darunter das Krematorium, den Leichen- und Selektionsraum sowie die als Duschraum getarnte Gaskammer.

 

   

 

Die Auseinandersetzung mit den Opferbiografien, die besichtigten Räumlichkeiten einhergehend mit den erzählten Fakten durch Frau Gebauer sowie den umfangreichen Infotafeln der Dauerausstellung „Die Vernichtung der "Unbrauchbaren"“ fügten sich zu einem umfassenden und beklemmenden Bild. Die Verbrechen der Nationalsozialisten fanden nicht nur weitab auf dem Schlachtfeld statt, sondern ganz in der Nähe und der eigenen Region…

Unfassbar in Zeiten von Integration und Inklusion und doch wahre, grausame Vergangenheit, die absolut nachdenklich stimmt!