Auch in diesem Jahr war es uns wieder sehr wichtig, unseren derzeitigen Teilnehmern die Geschichte der national-sozialistischen Zeit an einem Ort des Geschehens nahe zu bringen. So führte uns unsere Projektfahrt am 19.04.2017 an den Stadtrand von Oranienburg, wo die SS ab 1936 das Konzentrationslager Sachsenhausen errichtete.

Den Besuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen hat unsere Lehrkraft im Stützunterricht mit den Jugendlichen intensiv vorbereitet. Neben wichtigen Zahlen, Daten und Fakten schauten sie sich den Spielfilm „Die Fälscher" an. Der Film widmet sich der „Operation Bernhard", einer bis heute höchstwahrscheinlich beispiellosen Geldfälscheraktion in der Weltgeschichte. In den mit der entsprechenden Drucktechnik ausgestatteten Baracken 18 und 19 mussten 144 jüdische Gefangene – unter ihnen professionelle Geldfälscher – insbesondere die englische Währung in beträchtlicher Größenordnung fälschen.

 

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Gerüstet mit unseren ersten Wissensgrundlagen erhielten wir – eingeteilt in zwei Gruppen – in der Gedenkstätte die Möglichkeit des „entdeckenden Lernens". Mit Begleitung und Unterstützung der museumspädagogischen Mitarbeiter erarbeiteten wir uns anhand eines Museumskoffers einen leichteren Zugang zu diesem schweren Thema.

Der Museumskoffer enthielt originale Fundstücke vom KZ-Gelände, zu denen in gemeinsamer Gruppenarbeit Ideen zum Sinn und zur möglichen Verwendung entwickelt werden sollten. Zur genauen Betrachtung und Einschätzung durften die Fundstücke nur mit entsprechenden Handschuhen angefasst und gegebenenfalls auch mit einer Lupe begutachtet werden.

 

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Beim anschließenden Rundgang erhielten wir detaillierte Einblicke in die Funktionen des Lagers. Aufgrund der Nähe zur damaligen Reichshauptstadt Berlin mit der Gestapozentrale fungierte das Lager als Modelllager und nahm somit eine Sonderstellung im KZ-System ein. Die SS richtete hier nicht nur ihre Verwaltungszentrale ein, die Entscheidungen über das gesamte System der Konzentrationslager traf, sondern bildete hier gleichzeitig sowohl die KZ-Kommandanten als auch das Bewachungspersonal aus.

Mit der Modellbauweise eines gleichseitigen Dreiecks sollte von einem Wachturm aus mit einem Maschinengewehr der totale Terror umgesetzt werden können. Da sich diese Lagerarchitektur jedoch nicht, wie geplant, beliebig erweitern ließ, wurde sie beim Bau weiterer Konzentrationslager nicht weiter berücksichtigt.

Weiterhin erfuhren wir unter anderem, dass sich rund um den Appellplatz eine Schuhprüfstrecke befand. Bei jedem Wetter mussten die hier eingeteilten Häftlinge auf verschiedenen Bodenbelägen bis zu vierzig Kilometer pro Tag mit Testschuhsohlen bewerkstelligen. In den Krankenrevierbaracken wurden sowohl an erwachsenen Häftlingen als auch an Kindern medizinische Experimente durchgeführt. Zudem erfolgte per Genickschussanlage die systematische Massenvernichtung tausender (z.B. sowjetischer Kriegs-)Gefangener.

 

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Nach dem beklemmenden Rundgang mit vielfältigen Informationen wurde zum Abschluss des Projekttages die Gruppenarbeit zum Museumskoffer gemeinsam ausgewertet. Die nachdenkliche Stimmung wirkte anschließend nicht nur auf der Busrückfahrt nach...